Fließestrich

Neben dem Gußasphaltestrich und dem Zementestrich hat der Fließestrich stark an Bedeutung gewonnen.

Die Vorteile der Werktrockenmörtel gelten auch für den Fließestrich.

Fließestriche bestehen aus Anhydrit, Spezialgipsen, Fließmitteln und Zuschlagstoffen, wie körniger Naturanhydrit, Kalkstein und Quarzsand. Das Bindemittel bei Fließestrichen besteht in der Regel aus Calciumsulfat (Anhydrit, ·-Halbhydrat).

Trocken angeliefert wird der Fließestrich auf der Baustelle durch Wasserzugabe pumpfähig. Durch die flüssige Konsistenz erfolgt die Nivellierung des Fließestrichs nahezu von selbst. Nach dem Einpumpen wird der Estrich mit einem Spezialbesen oder mit einer Rakel (Schwabbelstange) durchgeschlagen. Die Oberfläche wird danach ohne weiteres Zutun waagerecht und eben.

Lieferformen sind gesackt oder lose in Silo/Container. Verarbeitet wird der Mörtel mittels kontinuierlich arbeitender Mischpumpen, mit denen Wasser zudosiert, der Mörtel gemischt und durch einen Schlauch auf die Baustelle gepumpt wird.

Aufgrund der bereits werkseitig hergestellten Mischung können mit entsprechenden Maschinen hohe Förderleistungen erzielt werden. Bei großflächiger Verlegung können dabei Estrichflächen bis zu 1500 m2 am Tag hergestellt werden.

Eingebaut werden kann der Fließestrich als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht und Estrich auf Dämmschicht sowie auf Fußbodenheizung und Installationsböden.

Bei der Untergrundvorbereitung ist darauf zu achten, daß kein Estrichmörtel durch Öffnungen wegfließen und z. B. bei Estrich auf Dämmschicht Schallbrücken bilden kann. Durch seine flüssige Konsistenz ist der Fließestrich selbstverdichtend, so daß keine Verdichtungsarbeit durch den Verarbeiter erforderlich ist. Er erhält sehr hohe Biegezugfestigkeiten und kann deshalb in geringerer Schichtdicke als z. B. Zementestrich eingebaut werden. Bereits ein Tag nach dem Einbau ist er begehbar und nach drei Tagen belastbar.

Fließestriche auf Calciumsulfat-Basis weisen geringe Schwindwerte bei Erhärtung und Trocknung auf und können dadurch großflächig verlegt werden. Aufschüsseln der Ecken und Ränder und in der späteren Nutzung eintretendes Abreißen der Randfugen sind bei Fließestrich nicht zu beobachten.

Die Grundsätze der Fugenausbildung bei Estrichen sind in der DIN 18 560, Teil 2 niedergelegt.

Aufgrund der guten Raumbeständigkeit sind auch bei großen Flächen (1000 m2) keine Bewegungsfugen erforderlich (nur die Bewegungsfugen der Unterkonstruktion müssen durchgehen). Bei Heizestrichen sind jedoch Dehnungsfugen vorzusehen, wenn die Seitenlängen der Estrichfläche 6 bis 7 m übersteigen.

Besondere Vorteile bietet der Fließestrich bei der Verlegung auf Fußbodenheizung. Durch den dichten Anschluß an die Heizrohre und die hohe Wärmeleitfähigkeit, die über der in der DIN 4108 für Zementestrich ausgewiesenen Wärmeleitfähigkeit liegt (Ï = 1,40 W/mK), ist eine gute Wärmeabgabe vom Heizrohr an die Umgebungsluft gegeben. Zusätzlich bewirkt die geringe Estrichdicke von 35 mm über Heizrohr, daß der Estrich eine kurze Aufheizzeit benötigt.

Bereits sieben Tage nach dem Einbau kann der Fließestrich als Heizestrich aufgeheizt werden. Hierdurch ergeben sich kurze Austrocknungszeiten, was den Baufortschritt beschleunigt.

Für noch schnellere Fertigstellung gibt es einen Fließestrich, der bereits nach 3 Stunden begehbar und nach 8 Stunden belastbar ist. Als Heizestrich kann er unmittelbar nach dem Einbau beheizt werden und es kann mit dem Trocknen begonnen werden.

Da die Verlegung von Leitungen innerhalb von betrieblich genutzten Gebäuden immer wichtiger wird, vor allem nach Fertigstellung des Bauwerkes, ist der Einbau von Installationsböden eine Notwendigkeit. Damit die Fußböden allen Anforderungen gerecht werden, gibt es ein Hohlraumboden-System, das mit Fließestrich abgedeckt wird. Das System des Hohlraumbodens ist praktisch nur mit Fließestrichen wirtschaftlich zu realisieren.

Fließestriche können mit allen üblichen Bodenbelägen belegt werden. In Abhängigkeit vom Belag sind die erforderlichen Restfeuchtegehalte der Estriche abzuwarten (Lüften). Heizestriche sind vor der Belagsverlegung trockenzuheizen.

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